Warum wir feministische Bücher nicht nur zum Weltfrauentag brauchen

Auf der Grafik steht der folgende Text Warum wir feministische Bücher nicht nur zum Weltfrauentag brauchen. Es sind acht Bücher auf der Grafik, die im Beitrag vorgestellt werden.

Aktualisiert am 7. März 2026 von Antje Tomfohrde

Zum Weltfrauentag wird es wieder rote Rosen regnen, Kosmetikgutscheine werden verteilt werden und vielleicht gibt es auch den 5-Euro-Gutschein für 5-Minuten Massage, damit Mutti sich mal was gönnt, während sie in Lifestyle-Teilzeit ihr Leben jongliert und gerade so gar keine Zeit hat, sich mit ihrer vermutlich nicht üppig ausfallenden Rente auseinanderzusetzen oder gar feministische Bücher zu lesen. Irgendetwas ist ja immer, die Kita wird bestreikt, ein Kind hat Magen-Darm und leider ist es immer noch so, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Vati auch mal einen Tag zuhause bleibt, wenn das Kind krank ist.

Gleichberechtigung und wirkliche Gleichstellung winken immer noch aus der Ferne wie eine Fata Morgana oder wie ein Scheinriese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Und in der jungen Generation scheint es eine große Lücke zwischen dem, was der männliche Teil der Bevölkerung und der weibliche Teil für Ansichten hat. Laut einer aktuell veröffentlichten Studie von Ipsos UK und dem Global Institute for Women’s Leadership at King’s Business School, King’s College London driftet da einiges auseinander. (zur Studie)

Die Männer der GenZ scheinen im Schnitt die konservativsten Ansichten zu haben. So findet fast ein Drittel, dass eine Frau ihrem Mann immer gehorchen sollte, was nur 18 Prozent der Frauen dieser Generation unterstützen. Zum Vergleich: nur 13 Prozent der Boomer-Männer und 6 Prozent der Boomer-Frauen sehen das genauso. Da gibt es nicht nur eine Verschiebung von Generation zu Generation, sondern vor allem auch innerhalb der GenZ, was erschreckend ist. Ein Grund können u. a. falschen Männlichkeitsideale auf Social Media sein, aber auch eine falsche Wahrnehmung dessen, was die Gesellschaft erwarte.

Eine erschreckende Entwicklung, die leider zu dem passt, was gerade vielerorts zu erkennen ist. Da wird an hart erkämpften Rechten gerüttelt und es ist wichtig, da gegen anzugehen, denn nur gemeinsam mit gleichen Rechten können wir als Gesellschaft etwas Gutes erreichen. Unterdrückung und Ungleichheit hat noch nie zu etwas Gutem geführt.

Warum spielt Lesen eine so wichtige Rolle, um Rollenbilder aufzubrechen?

Und da kommt das Lesen ins Spiel: Lesen, gerade das Lesen von Romanen, vermittelt Empathie und zeigt auf, wie Zusammenleben funktionieren kann. Gefühle werden vermittelt und man lernt, sich in eine fiktive Figur hineinzuversetzen, was ins reale Leben übertragen werden kann.

Es können Vorbilder gefunden werden und verstanden werden, warum es wichtig ist, dass Kinder nicht nur von der Mutter aufgezogen werden, sondern auch vom Vater bzw. von zwei Elternteilen egal welchen Geschlechts. Welche Lebensentwürfe haben Menschen, was gibt es außer dem, was von zuhause bekannt ist oder auf Social Media geteilt wird. Finden Frauen doch nicht die harten Typen cool, sondern die, die Sorgearbeit teilen und ihre Frauen bei ihren Träumen unterstützen, weil sie merken, dass sie selbst davon profitieren?

Lernen schon Kinder in Kinderbüchern wie schlecht es sich anfühlen kann, aufgrund des Geschlechts etwas nicht machen zu dürfen und wie toll, wenn es keine Begrenzung dadurch gibt, fällt es Heranwachsenden auch gleich leichter, sich nicht von falschen Vorbildern beeinflussen zu lassen.

Eine weitere Aufgabe, die Lesen erfüllen kann, ist die Wissensvermittlung. Was sagt die Geschichte? Was muss passieren, damit mehr Frauen die gläserne Decke in die Vorstände durchstoßen können und wie können wir als ältere Generationen darauf einwirken. Wie können wir vermitteln, dass es wichtig ist, für gleiche Bedingungen zu sorgen und dass das etablierte System noch ein paar Updates gebrauchen kann. Für die, daran gewohnt sind, dass sie einfach weiter kommen, heißt das Privilegien aufzugeben, die andere, nämlich die Frauen nie hatten und das nur aufgrund des Geschlechts. Und es hat Vorteile, wenn wir eine Zukunft der Gleichberechtigung haben, denn das bedeutet auch, dass die Verantwortung wirklich geteilt wird.

Und da Lesen hilft, so vieles zu verstehen, sollten wir feministische Bücher nicht nur am Weltfrauentag lesen, sondern ganzjährig.

Empfehlungen für feministische Bücher

Was sich so bei mir im Regal an feministischen Büchern befindet, findest du im Folgenden ungeordnet nach Genre. Vielleicht ist auch das ein oder andere Buch für dich dabei und hilft dir, etwas zu verstehen oder ist ein Ansporn, dich nicht nur als Frau, sondern auch als Mann feministisch zu engagieren. Denn, wie gesagt, es geht nur gemeinsam.

Einige Bücher handeln von Wut, von Verzweiflung oder machen wütend. Andere zeigen, wie ungerecht das System, in dem wir leben, immer noch ist und wieder andere zeigen Wege hinaus und auch Wut kann da ein ganz wunderbarer Initiator zum Handeln sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass Mädchen immer noch beigebracht wird, dass Wut nichts Weibliches ist. Das ist Quatsch, auch wir Frauen dürfen wütend sein.

Auf dem Bild ist das Cover des Buchs Die Wut die bleibt von Mareike Fallwickl.

Ein Buch, dass für mich wie kein anderes beschreibt, was oftmals immer noch Status quo ist, ist „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl. Eine Frau steht beim Abendessen mit der Familie auf und springt vom Balkon. Danach bricht nicht nur die Welt zusammen, sondern auch eine wunderbar funktionierende Organisation, denn plötzlich wird nicht alles von einer Person organisiert und getragen. Mareike Fallwickl beschreibt sehr plastisch, was es bedeutet, heute als Frau in einem patriarchalen System zu leben.

Auf dem Bild ist das Buch Verdammt wütend von Linn Stromsborg.

Auch in „Verdammt wütend“ von Linn Strømsborg geht es um Unzufriedenheit und die Wut darüber. Britt ist 43 und hat eine kleine Tochter und sie hat immer das Richtige getan, ihr ganzes Leben. Also sie hat sich an alle Regeln gehalten, Verantwortung übernommen und ihre Rolle gespielt. Im Urlaub in Norwegen setzt es dann irgendwann aus und sie staucht einmal alle zusammen und fährt einfach los, um sich darüber klar zu werden, was sie eigentlich will vom Leben. Übersetzt von Karoline Hippe.

Auf dem Bild ist das Buchcover von Ava liebt noch.

„Ava liebt noch“ klingt so schön nach Liebesroman und ja, es handelt auch von Liebe, aber auch vom Patriarchat. Vera Zischke hat nicht nur eine schöne und unkonventionelle Liebesgeschichte geschrieben, sondern zeigt auch auf, wie sich die „klassische“ Aufteilung Mann schafft die Kohle ran als Ernährer der Familie und die Frau wuppt den Rest mit den Kindern, Haushalt, Organisation des Privatlebens der Familienmitglieder auswirken kann. Ava stellt nach zwölf Jahren zuhause fest, dass da doch noch mehr ist.

Auf dem Bild ist das Cover des Buchs Wenn die letzte Frau den Raum verlässt.

Wie ist es, wenn die letzte Frau den Raum verlässt? Wie sprechen Männer dann über ihre Kolleginnen, ihre Chefinnen oder die Freundin ihrer Frau, die Freundinnen ihrer Töchter? Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer geben einen Einblick und entkräften so manches Argument und zeigen, was männliche Verbündete, Feministen tun können, um die Situation zu verbessern.

Auf dem Bild ist das Buchcover von Feindbild Frau.

Vermutlich ist es dir auch schon aufgefallen, wie besonders Politikerinnen diffamiert und nicht nur im Netz angegriffen wurden. Kübelweise wird verbaler Schmutz über ihnen ausgekippt und sie werden bedroht. Da steckt System hinter und Ingrid Brodnig zeigt das auf. Sie zeigt aber auf Lösungswege auf, wie Betroffene sich wehren können.

Auf dem Bild ist das Buchcover von Die Rebellion der Alfonsina Strada.

Frauen sind auch im Sport nicht gleichgestellt mit ihren männlichen Kollegen, was wir im Fußball sehen, im Handball, wo selbst im Jahr 2025 bei der Heim-WM der Damen die Spiele der deutschen Frauen erst ab dem Viertel-Finale im Fernsehen übertragen wurden. Ein Beispiel für eine der Pionierinnen im Radsport ist Alfonsina Strada, der es gelang am Giro d’Italia als Frau teilzunehmen. Durch den Nationalsozialismus wurde der Frauensport insgesamt zurückgeworfen und im Radsport gibt es zum Beispiel erst seit 2022 die Tour de France Femmes, das Pendant zur Tour de France der Männer. Natürlich verdienen Profisportlerinnen in den wenigsten Fällen so viel wie die Herren. Ich empfehle dir das Buch „Die Rebellion der Alfonsina Strada“ von Simona Baldelli, übersetzt von Karin Diemerling.

Auf dem Bild ist das Buchcover von Es geht nur gemeinsam von Jutta Allmendinger.

„Es geht nur gemeinsam“ – Jutta Allmendinger zeigt in diesem Buch auf, wie wir Geschlechtergerechtigkeit erreichen und zwar zusammen. In dieser Streitschrift zeigt sie auf, was jetzt geschehen muss, damit wir uns nicht rückwärts bewegen, sondern vorwärts. 2023 habe ich sie auf der re:publica in Berlin gesehen und auch die Aufzeichnung ihres Vortrags empfehle ich dir. Sie geht dort auf die Gleichstellungspolitik und ihre Folgen ein.

Auf dem Bild ist das Buchcover von LIEBE JORINDE oder Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen.

Mareike Fallwickl hat für den Kjona Verlag einen der Briefe an die zukünftigen Generationen geschrieben. In „Liebe Jorinde oder Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen“ schreibt sie darüber, was getan werden muss von Schulen, Familien und Gesellschaft, damit Männer nicht als Feinde gesehen werden und sie sich selbst auch nicht so fühlen, sondern wie sich Teil einer feministischen Lösung werden können. Ein hoffnungsvolles Buch, auch wenn der Weg steinig erscheint!

Ich hoffe, du hast etwas gefunden in dieser Auswahl, was dich interessiert und was geholfen hat zu erklären, warum Gleichberechtigung und Gleichstellung eine Bereicherung für uns alle sind.

Was du sonst noch tun kannst, um dich für mehr Gleichberechtigung einzusetzen:

  • Wenn du Panels zu besetzen hast, achte darauf, dass sie divers besetzt sind. Nichts ist so interessant wie divers besetzte Panels und nichts ist so langweilig, wie Veranstaltungen auf denen nur Thomas, Christian und Michael sprechen.
  • Sag nicht, dass du deiner Frau im Haushalt und mit den Kinder hilfst, übernimm deinen Anteil der Aufgaben und kommuniziere das auch so. So lernen auch gleich deine Kinder, dass es völlig normal ist.
  • Versuche dich in Micro-Feminismus, also in kleinen feministischen Alltagshandlungen, sprich in der Kita oder der Schule als Erzieher oder Lehrerin nicht immer nur die Mütter an, dass sie Aufgaben übernehmen oder dass das kranke Kind abgeholt werden muss. Nutze weibliche Berufsbezeichnungen wie „Ist die Chefin da?“ oder gendere bewusst. Dadurch werden Frauen sichtbar. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, Micro-Feminismus im Alltag zu leben. Auf LinkedIn findest du zum Beispiel bei Verena Arps-Roelle viele Tipps dazu, wie du Frauen sichtbarer machen und dadurch für mehr Geschlechtergerechtigkeit sorgen kannst.

Ich wiederhole mich gerne: wir machen das, damit wir gemeinsam davon profitieren, es kein Gegeneinander, sondern für ein gerechteres Miteinander. Und bis es soweit ist, dürfen wir ruhig wütend sein, denn sonst geht es nicht vorwärts.

Diese Liste feministischer Bücher wird wachsen und wenn du Lesetipps dazu hast, freue ich mich darüber.

Wenn dir längere Beiträge mit Buchtipps zu einem bestimmten Thema gefallen, findest du hier auch noch einen Beitrag mit Tipps zu Klimabüchern.

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