Gender Sleep Gap – Frauen und Schlaf von Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns

Auf dem Bild ist das Buch Frauen und Schlaf von Dr. med. Suzann Kirschner Brouns auf gestreifter Bettwäsche liegend fotografiert. Es ist das Headerbild der Rezension.

Aktualisiert am 26. April 2026 von Antje Tomfohrde

Durch die Wechseljahre hat sich mein Schlaf sehr verändert und sobald ich etwas darüber lese, wie ich meinen Schlaf verbessen kann, lese ich es. Folgerichtig kam „Frauen und Schlaf“ sofort auf meine Leseliste und ob und welche Erkenntnisse es gebracht hat, berichte ich hier.

Worum geht es in dem Buch?

Schlafen bzw. ausreichen zu schlafen, ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem insgesamt zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, gilt es doch teilweise als beeindruckend leistungsfähig, nur mit wenigen Stunden Schlaf pro Nacht auszukommen und noch vor dem eigentlichen Arbeitstag Morgenroutinen mit Sport, Meditation usw. abgespult zu haben, um dann beschwingt an den Schreibtisch zu hüpfen.

In den letzten zehn Jahren ist die Schlafenszeit allein eine Stunde weniger geworden und Frauen schlafen im Schnitt nicht weniger, aber schlechter als Männer. Warum das so ist und wie Schlaf wieder besser werden kann, erklärt Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns in ihrem Buch „Frauen und Schlaf“.

„Jeder und jede zweite Bundesbürgerin klagt darüber, dass der Schlaf zu wenig erholsam ist, jede und jeder Dritte fühlt sich tagsüber müde. Jede Vierte klagt über Einschlafprobleme oder nächtliches Aufwachen. Jeder und jede Zehnte hat so starke Schlafstörungen, dass eine medizinische Therapie nötig ist.“

Aus „Frauen und Schlaf“ von Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns

Sie hat es thematisch wie folgt unterteilt:

  • Teil I: Frauen und ihr Schlaf: eine wahre Herausforderung
  • Teil II: Der geliebte Schlaf: Niemand schenkt uns mehr Lebenszeit, Schönheit und Gesundheit
  • Teil III: Wer liebt, schläft nicht – und was uns sonst noch um den Schlaf bringt
  • Teil IV: Auf Wolke 7: wieder gut schlafen und gut träumen

Mein Leseeindruck von „Frauen und Schlaf“

Wir schlafen insgesamt zu wenig, wissen, dass wir mit mehr Schlaf leistungsfähiger und auf lange Sicht gesünder bleiben und bewundern diejenigen, die nur wenig Schlaf benötigen. „Schlaf wird überbewertet“ ist ein beliebter, leichtfertig herausgehauener Satz, der lustig klingen soll, aber das Problem gut beschreibt, denn die Bedeutung von Schlaf wird in unseren modernen Industrie- und sogenannten Leistungsgesellschaften unterbewertet. Wir schaden wissentlich unserer Gesundheit, wenn wir zu wenig schlafen und muten dies schon den Jüngsten zu. Von den volkswirtschaftlichen Kosten brauchen wir gar nicht erst sprechen.

„Unser Gehirn benötigt die Nacht, damit sich Bewegungsabläufe und motorische Fähigkeiten wie eben beim Sport konsolidieren können. Darüber hinaus werden nachts emotionale Erfahrungen bewertet, Probleme unbewusst gewälzt und bestenfalls gelöst. Das wichtigste Argument für guten Schlaf: Durch ihn reduziert sich das Risiko für gesundheitliche Probleme wie unter anderem – die Liste ist endlos – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs, Übergewicht und Rückenschmerzen, Burn-out und psychische Krankheiten.“

Aus „Frauen und Schlaf“ von Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns

Wie vieles andere in der Medizin wurde auch der Schlaf nur vom Mann aus betrachtet. Erst seit Anfang der 1970er Jahre wurde damit begonnen, den weiblichen Schlaf getrennt vom männlichen zu betrachten und es wurde unter anderem festgestellt, dass Frauen mehr Schlaf brauchen (es sind etwa zwanzig Minuten). Warum das so ist, ist noch nicht ganz erforscht, aber es ist gut, dass zu wissen.

„Wer wie viel Schlaf braucht, ist von Mensch zu Mensch verschieden, alles zwischen fünfeinhalb und neun Stunden ist normal. Drei oder vier Stunden allerdings sind nicht gesund. Lassen Sie sich nicht von Menschen beeindrucken, die sich mit diesen angeblichen Zahlen brüsten. Das führt zu nichts Gutem weder für den Nichtschläfer noch für unsere Gesellschaft.“

Aus „Frauen und Schlaf“ von Dr. Suzann Kirschner-Brouns

Der Schlaf von Frauen wird in verschiedenen Lebensphasen durch hormonelle Veränderungen beeinflusst und was auch eine große Rolle spielt, ist der Mental Load, der in den Familien meist von den Frauen übernommen wird. Die Organisation für das Privatleben wird in Familien vom weiblichen Teil übernommen, das belastet noch einmal mehr, als sich nur um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

Insgesamt sind wir zu wenig im Tag-Nacht-Rhythmus, sondern leben eher dagegen an, was uns vermutlich allen klar ist. Es wird im Buch auf die Nebenwirkungen der Nacht- und Schichtarbeit eingegangen, wie wichtig die einzelnen Schlafphasen sind und welche Auswirkungen ausreichend Schlaf auf die Gesundheit hat. Besonders auf die Bedeutung des Träumens geht die Autorin ein und welche Schlafräuber es gibt.

Insgesamt erklärt sie gut, welche Schlafräuber und -störer es gibt und wie dadurch der Schlaf negativ beeinflusst wird. Lärm, Kaffee, Nikotin, Alkohl, aber auch verschiedene Krankheiten, Licht und ganz besonders Stress zählen dazu.

„Der gefährlichste Schlafräuber ist der Stress. Ob die Menge an Belastung oder die Intensität der Emotionen – in beiderlei Hinsicht sind Frauen stärker betroffen. Aus der Gendermedizin wissen wir, dass emotionaler Stress bei Frauen das Risiko für einen Herzinfarkt um 300 Prozent erhöht, körperlicher Stress erhöht das Risiko bei Männern wie Frauen zwischen 40 bis 69 Prozent. Emotionaler Stress begünstigt auch Erkrankungen wie Angststörungen und Panikattacken, Depressionen oder depressive Verstimmungen. Sie alle sind vergesellschaftet mit Schlafstörungen.“

Aus „Frauen und Schlaf“ von Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns

Dann gibt sie Tipps zu besserem Schlaf und da fand ich besonders interessant, wie sie die Wirkung und Einnahme von Schlaftabletten und Melatonin bewertet und was sie da rät. (Spoiler: es ist keine Freigabe). Gerade Melatonin trendet momentan sehr als Einschlafhilfe und da finde ich die Einschätzung einer Medizinerin wertvoll. Auch bei Schlaftabletten bin ich oftmals erstaunt, wie lange manche Menschen sie nehmen, obwohl sie doch eher für einen kurzfristigen Gebrauch gedacht sind.

Ich wusste nicht, dass Schlafapnoe einen hohen Blutdruck verursachen kann und bin erstaunt, dass die Frage nach Schlaf oftmals keine Rolle spielt, wenn es an die Ursachenforschung geht.

Viele der Tipps zum besseren Schlaf sind nicht neu, aber eine gute Erinnerung daran, doch einmal etwas davon umzusetzen. Das mag ich an Bücher, dass ich immer wieder nachlesen kann, was ich noch tun kann. So habe ich bei meinen Yoga-Versuchen immer wieder gedacht, dass ich die Wechselatmung Anuloma-Viloma unbedingt vor dem Schlafen machen möchte und es natürlich sofort wieder vergessen, sobald ich nach dem Kurs zuhause war. Jetzt habe ich es wieder fest auf dem Schirm und schaue, welche Maßnahmen ich noch ausprobiere. Bei mir geht es nicht ums Einschlafen, sondern ums Durchschlafen.

Ich schlafe nicht mehr ganz so schlecht, wie noch vor einem Jahr, aber eindeutig zu wenig und kann nicht mehr einschlafen, wenn mein Gedankenkarussell mitten in der Nacht beginnt seine Runden zu drehen, statt sich im Traum mit anstehenden Problemen zu beschäftigen. So verbringe ich in Phasen mentaler Anspannung viel Zeit damit, wach zu liegen bzw. da mache ich mir nicht den Stress des Denkens und auf die Uhr schauen, sondern stehe auf und lese und stresse mich nicht zusätzlich noch mit dem Gedanken „oh, du musst in zwei Stunden aufstehen und kannst jetzt nicht schlafen“.

Interessant finde ich aber in dem Zusammenhang, dass Schlafmangel und Menopause ein Dreamteam sind, was den verminderten Kalorienverbrauch und mehr Hüftspeck sind, was natürlich auch nicht gut für die Gesundheit ist.

„Eine Studie vom Kings College, London, aus 202 konnte zeigen, dass bereits vier Nächte mit weniger als fünf Stunden Schlaf dazu führen, dass man am Tag zirka 400 Kalorien zusätzlich aufnimmt. Wenn die Schlafstörungen über Wochen, Monate oder gar Jahre bestehen, kann man sich ausrechnen, wie viele Kilos auf den Hüften landen. Hinzu kommt: Der weibliche Zyklus benötigt täglich 300 Kalorien. Nach der Menopause werden diese Kalorien nicht mehr verbraucht.“

Aus „Frauen und Schlaf“ von Dr. Suzann Kirschner-Brouns

Hinzu kommt, dass viele Menschen nach schlaflosen Nächten dazu neigen, eher ungesunden Nahrungsmittel (Schokolade, Fertiggerichte (Kochen ist zu anstrengend)) zu sich nehmen, also eine insgesamt ungute Kombination.

Gut gefällt mir, dass die Autorin immer wieder eigene Erfahrungen einbringt und aus der medizinischen Praxis spricht.

Insgesamt ist „Frauen und Schlaf“ gut, um einen Überblick zu bekommen, warum Schlaf so wichtig ist, welche Schlafphasen, welche Schlafstörungen und wie er verbessert werden kann. Die Autorin benennt die Studien und man merkt, dass sie aus der Praxis kommt. Ich hätte mir zum Thema Gender Sleep Gap und zu den Möglichkeiten der Schlafverbesserung mehr Input gewünscht, aber da das Buch nur ungefähr 224 Seiten umfasst, wäre das dann im Vergleich zu den anderen Punkten unausgewogen gewesen.

Ich konnte einige Tipps und Informationen daraus ziehen, die ich noch nicht kannte und denke, dass es für viele gut ist, um sich zu informieren.

Auch geht sie auf die Bedeutung des Schlafs an sich ein und dass es für uns als Gesellschaft wichtig ist, wieder da hin zu kommen, dass wir ausreichendem Schlaf einen höheren Stellenwert beimessen und damit Gesundheit an sich. Sie macht sehr deutlich, dass wir da gerade in eine falsche Richtung laufen und es dringend erforderlich ist, dass der pathologische Leistungsbegriff neu definiert werden muss und es strukturelle Veränderungen geben muss hin zu mehr Gesundheitsbewusstsein, wozu auch Schlaf gehört.

„Ausgeschlafen hören wir dem anderen wieder zu, sind bessere Vorgesetzte, treffen konstruktive, friedliche und sinnstiftende Entscheidungen und tragen dazu bei, dass die Welt wieder zu einem besseren Ort wird.“

Aus „Frauen und Schlaf“ von Dr. Suzann Kirschner-Brouns

Über die Autorin:

Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns hat in Köln, Kapstadt und Hamburg studiert. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Medizinjournalistin und hat mehrere Bücher veröffentlicht.

Informationen zum Buch
Buchtitel: Frauen und Schlaf
Autor: Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns
Erscheinungsdatum: 14. April 2026
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-7558-0082-8

PS: „Frauen und Schlaf“ wurde mir als Rezensionsexemplar vom DuMont Buchverlag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür! Ob mir ein Buch kostenlos als Leseexemplar zur Verfügung gestellt wurde, ich es geliehen, geschenkt bekommen oder selbst gekauft habe – all dies hat keinen Einfluss auf meine Rezension. Meine Rezensionen geben allein meine Meinung wieder, die ich mir während des Lesens gebildet habe.

Wenn deine Schlafprobleme erst in den Wechseljahren kamen und dein Körper dich mit weiteren „Überraschungen“ in dieser Lebensphase erfreut, könnte „Wechseljahre – Das Upgrade“ für dich interessant sein. Anke Sinnigen geht auf die Veränderungen deines Körpers in dieser Zeit ein und gibt Tipps, um mit bestimmten Nebenwirkungen besser klarzukommen.

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