Aktualisiert am 21. Juni 2026 von Antje Tomfohrde
Wie verändert KI unseren Umgang mit Sprache? Macht KI Kommunikation perfekter oder eher austauschbarer? Was ist und was wird wichtig für unseren Umgang mit Sprache in Zeiten von KI? In „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ geht es darum und deshalb wollte ich es unbedingt lesen, habe ich doch tagtäglich damit zu tun.
Worum geht es in dem Buch?
„Es ist kein Technikratgeber. Keine Abrechnung gegen Künstliche Intelligenz. Kein Versprechen auf Besserung. Es ist ein Versuch, das zu benennen, was still verrutscht. Und ein Plädoyer, wieder genauer hinzuhören. Nicht auf das, was möglich ist, sondern auf das, was gemeint ist.“
Aus „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ von Daniel Caroppo
Mit diesen Worten beschreibt Daniel Caroppo im Vorwort, was er mit seinem Buch erreichen möchte. Es geht ihm darum, aufzuzeigen, was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren können.
Um das möglichst umfänglich zu tun, hat er das Buch in sechs Teile aufgeteilt:
- Teil I: Sprache unter Druck
- Teil II: Wirkung und Verantwortung
- Teil III: Berufsfelder und Praxis
- Teil IV: Selbstbild, Stil und Haltung
- Teil V: Gesellschaft und Zukunft
- Teil VI: Ethik, Demokratie und Ausblick
Jeder Teil umfasst mehrere Kapitel, die sich mit den wichtigsten Punkten zu dem Oberbegriff beschäftigen. So geht es im ersten Teil erst einmal darum, was wir wissen müssen, bevor wir KI einsetzen, was passiert, wenn KI Sprache glättet, und er stellt einen KI-Ethikkompass vor.
Anhand von Fallbeispielen, die einmal von einer KI und von einem Menschen geschrieben sind, verdeutlicht er, was er meint. Zusätzlich liefert er ein Praxisbeispiel, zieht ein Fazit und formuliert zwischendurch immer wieder zusammenfassende Merksätze. Am Ende gibt es Reflexionsfragen, die allein durchdacht werden können, aber auch spezielle Reflexionsangebote für Teams und Verantwortliche zum gemeinsamen Durchdenken.
Er geht nicht nur auf die offensichtlichen Fragen ein, die für Marketing- und Kommunikationsabteilungen wichtig sind, nein, er betrachtet auch gesellschaftliche Folgen der Nutzung von KI und wie sie unsere zukünftige Kommunikation beeinflussen kann, so geht es zum Beispiel um die Frage, ob es gut ist, wenn Kinder einer KI ihr Herz ausschütten und nicht ihren Bezugspersonen. Wie wird sich Journalismus entwickeln und wie können wir KI verantwortungsvoll nutzen?
Am Ende findet sich ein Literaturverzeichnis.
Meine Meinung zu „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“
Es ist mal wieder der Buchtitel gewesen, der mich gecatcht hat, denke ich doch zu oft bei bestimmten mit KI erstellten Texten: zu glatt, zu perfekt, zu unpersönlich, zu wenig Ecken und Kanten, zu wenig Greifbares, da bleibt nichts haften, außer der Tatsache, dass sie perfekt formuliert sind.
Das geht nicht nur mir so, sondern auch anderen, egal ob sie sich mit Kommunikation und Texten und ganz anderen Dingen beschäftigen, zum Beispiel noch zur Schule gehen, unterrichten oder anderes tun. KI bzw. der Einsatz generativer KI wird unsere Kommunikation verändern und ob das gut wird oder nicht, haben wir zumindest für die eigene Kommunikation in der Hand. Und besonders wichtig ist es in Kommunikationsberufen, in Führungsrollen in Wirtschaft und Politik, im Journalismus und auch in Lehrberufen, um nur ein paar zu benennen.
Daniel Caroppos Meinung lässt sich mit dem Wort Haltung zusammenfassen. Es geht darum, eine Haltung zu zeigen, zu haben und den Texten die Haltung der Verfasser*in anzumerken. Verstecke ich mich und meine Meinung hinter einem aalglatten, komplett durchgebügelten KI-Text, der wie ein Tiger ohne Zähne wirkt, oder bin ich mutig und beziehe Position? Darum kreist dieses Buch und das unterschreibe ich auch. Wenn eins in Zeiten von KI noch wichtiger ist als zuvor, dann das.
„Nicht der Text, der aneckt, ist gefährlich, sondern der, der nicht mehr auffällt, weil er klingt, wie alle anderen.“
Aus „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ von Daniel Caroppo
Gleichzeitig ist die gehäufte Verwendung des Begriffs Haltung auch ein Kritikpunkt an dem Buch, denn die Bedeutung wäre auch klar geworden ohne die vielen Wiederholungen, auch wenn ich selbst dieses Wort in dieser Rezension recht häufig nutze. Positiv formuliert bedeutet es aber auch, dass es ihm so wichtig ist, dass er gewollt diese Nachricht immer wieder bringt. Denn, da brauchen wir uns auch nichts vorzumachen, die Menge an KI-Einheitsbrei zeigt, dass an der Haltung noch gearbeitet werden kann.
„Der stille Zensor sitzt nicht in der Technik, sondern in uns. In dem Moment, in dem wir aufhören, unbequem zu schreiben. Nicht aus Feigheit, sondern aus Gewohnheit. Wenn du das nächste Mal den Impuls hast, etwas zu glätten – bleib scharf. Nicht unhöflich, sondern echt. Denn nur was Kante hat, kann auch Rückgrat zeigen.“
Aus „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ von Daniel Caroppo
Gut hat mir gefallen, dass er auf gesellschaftliche Folgen eingegangen ist und zum Beispiel darauf, dass generative KI für einige die einzige Möglichkeit ist, sich die Sorgen von der Seele zu reden. Was sagt das über uns als Gesellschaft aus? Der Gedanke klingt verführerisch gut, wenn wir wissen, dass es etwas gibt, das rund um die Uhr zuhört, aber es ist eine Maschine, die einem oftmals nach dem Mund redet. Möchte ich, dass mein Kind, meine Großtante, mein Cousin, ein Bekannter mit einer Maschine redet? Auch hier fehlt mir Haltung von uns als Gesellschaft, die weit über das Formulieren von Texten hinausgeht. Hören wir weniger zu als früher? Vereinsamen wir, achten wir weniger aufeinander oder verlernen wir gar durch den Einsatz der Glättungsmaschinerie, auf die Zwischentöne zu hören?
„Eine Kultur, die den Text nicht mehr ringt, sondern bestellt, hat ihren moralischen Kompass längst im Backoffice geparkt. Kann das unser Ernst sein?“
Aus „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ von Daniel Caroppo
Der Autor geht auf Chancen und Risiken ein, weist auch auf den wahnsinnigen Wasser- und Energieverbrauch hin, den KI hat. Muss also wirklich alles mit KI gemacht werden oder sollte es nicht lieber wohlüberlegt sein, zum Beispiel Texte erst einmal selbst zu schreiben, dann checken zu lassen und darauf zu achten, dass die Stimme, die da sprechen soll, nicht weggebügelt wird? Wie viel Verantwortung gebe ich ab oder ab welchem Punkt übernehme ich? Da ist seine Überlegung am Anfang gut, sich genau das vorher zu überlegen, Stichwort KI-Ethikkompass.
Es gibt viele schlaue Überlegungen und ich habe mir beim zweimaligen Lesen des Buchs viele, viele Notizen gemacht, um die für mich wichtigsten Punkte zu behalten. Das gelingt übrigens handschriftlich immer noch am besten. Besonders sind mir die Leitlinien für Kommunikation im KI-Zeitalter hängen geblieben und wie Co-Kreation ohne Kontrollverlust möglich ist. Der Mensch hat immer das letzte Wort.
Eingeprägt hat sich mir das Kapitel, in dem es darum geht, wie KI Rollen und Branchen verändert. Da stellt er die richtigen Fragen und zeigt auf, worauf in der öffentlichen Diskussion zu wenig eingegangen wird. Es ist die These, dass nicht der Mensch ersetzt wird, sondern nur, wer sich nicht weiterbildet. Daniel Caroppo kritisiert, dass das Problem auf die persönliche Bereitschaft heruntergerechnet wird und nicht auf das System- und Strukturproblem. Wer so denkt, negiert, dass es ein Wandel ist, der passiert und wir schon Einfluss darauf haben, wenn wir nur die richtigen Fragen stellen und nicht das Mantra herunterbeten, das besagt, dass die Schlauen bleiben, Leistung zählt und nur die Tüchtigen aufsteigen. Da unterstütze ich ihn völlig in seiner Aussage, dass diese Einstellung zynisch ist.
„Der schlaue Satz, mit dem dieses Kapitel begann, ist ein Satz der Selektion. Was wir brauchen, ist ein Satz der Solidarität. Nicht um uns zu beruhigen, sondern, um uns zu erinnern, dass nicht die Technik entscheidet, wer mitkommt, sondern wir.“
Aus „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ von Daniel Caroppo
Was ich für mich mitnehme, ist, dass ich noch bewusster überlege, wofür ich KI nutzen möchte und dass ich zum Beispiel bei den Beiträgen hier auf meinem Blog die Stille des weißen Blattes aushalte und lieber einen Tag darüber nachdenke, wie ich einen Beitrag schreibe und meine Gedanken zu Papier bringe. Bei der Arbeit nutze ich KI zum Beispiel mal als Sparringspartner zur Ideenfindung und das bringt einen Zeitgewinn oder die KI ist direkt in einem Meeting dabei, um gemeinsam zu brainstormen. Aber würde ich einen Text ohne Überprüfung einfach veröffentlichen wollen, möchte ich jede E-Mail mit einer KI schreiben lassen oder ist mir dann doch meine persönliche Stimme wichtiger? Du kannst dir die Antwort denken.
„Wer sich blind auf KI verlässt, ohne sich selbst zu befragen, gibt mehr ab als nur Textarbeit. Er gibt Haltung aus der Hand. Und wer das tut, überlässt die Sprache einem Werkzeug – ohne sicher zu sein, ob es überhaupt für ihn spricht.“
Aus „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ von Daniel Caroppo
Eine schon philosophische Frage ist für mich, ob wir Menschen wirklich das, was uns ausmacht, Sprache, Kommunikation und Kreativität komplett einer KI übergeben sollten oder nicht lieber das, was die KI wirklich besser kann als wir, damit wir die gewonnene Zeit für unsere starken Seiten nutzen können?
Das Buch hat mich mit der Themenbandbreite, die es abdeckt, überrascht und es ist eine Stärke, dass es auf die gesellschaftlichen Fragen und Entwicklungen, die sich aus der Nutzung von KI ergeben, eingeht und zur Diskussion anregt. Welche Kompetenzen sind jetzt wichtig, worauf kommt es jetzt an, wie sollten Kommunikations-Teams an das Thema herangehen, wie ändern sich Freigabeprozesse? Nicht umsonst habe ich zweiundzwanzig Blätter vollgeschrieben.
Sprachlich ist es leicht verständlich geschrieben, man merkt, dass Daniel Caroppo ein Kommunikationsprofi ist, der Wissen vermitteln will und kann. Da ist es auch nur ein Meckern auf hohem Niveau, dass der Begriff Haltung für mein Gefühl ein bisschen zu oft wiederholt wird.
Daniel Caroppo hat eine Einladung geschrieben, Verantwortung zu übernehmen, und keinen Werkzeugkoffer, aus dem man sich ein fertiges Tool greift. Dafür gibt es andere Bücher. Hier geht es um etwas anderes, und das ist gut so.
Autor: Daniel Caroppo
Erscheinungsdatum: November 2025
Verlag: Haufe Lexware GmbH & Co. KG
ISBN: 978-3-648-19574-1
PS: „Perfekt. Glatt. Wirkungslos.“ ist ein kostenloses Rezensionsexemplar (unbezahlte Werbung), welches mir über die Agentur Literaturtest von Haufe zur Verfügung gestellt wurde. Hierfür bedanke ich mich ganz herzlich!
Ob mir ein Buch kostenlos als Leseexemplar zur Verfügung gestellt wurde, ich es geliehen, geschenkt bekommen oder selbst gekauft habe – all dies hat keinen Einfluss auf meine Rezension. Meine Rezensionen geben allein meine Meinung wieder, die ich mir während des Lesens gebildet habe.
Weitere Fachbücher zu Marketing & Kommunikation findest du hier auf dem Blog im Menüpunkt Bücherregal Marketing & Kommunikation.
