Aktualisiert am 8. Mai 2026 von Antje Tomfohrde
übersetzt von Kathrin Bielfeldt
Ganz selten kaufe ich ein Buch, weil mir der Titel oder das Cover so gut gefallen. Bei „Die Bierkönigin von Minnesota“ war schon beim Lesen des Titels klar, dass ich das Buch kaufen würde, ohne zu dem Zeitpunkt zu wissen, worum es tatsächlich in dem Buch ging. Ehrlich gesagt, hatte ich an ein Pendant zur deutschen Weinkönigin gedacht, aber es ist überraschend anders.
Wovon handelt das Buch?
Bei „Die Bierkönigin von Minnesota“ geht es also nicht um die Wahl zur Bierkönigin und auch nicht ausschließlich um Edith’s Apple Pie, auch wenn dieser eine kleine, aber leckere Nebenrolle spielt.
Es geht ums Bierbrauen und zwar Bierbrauen aus Berufung, Leidenschaft, etwas mit ganzem Herzen zu machen.
Diana lebt nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter Edith, die – eigentlich im Rentenalter – immer noch Vollzeit in verschiedenen Jobs arbeitet, um sich und ihre Enkelin über die Runden zu bringen. Diana versucht ihrerseits, durch Diebstähle ihren Teil zum Familieneinkommen beizutragen und wird erwischt. Doch sie hat Glück im Unglück, denn Frank, der sie auf frischer Tat ertappt, bietet ihr einen Deal an. Sie kann ihre Schulden in seiner Brauerei abarbeiten und er meldet sie nicht bei der Polizei. Auf dieses Angebot geht sie ein und arbeitet nach der Schule bei Frank. Im Laufe der Zeit erlernt sie das Brauereihandwerk und wird mit ihren Craft-Bieren bekannt.
Doch Diana ist nicht die einzige Frau in der Familie, die Brauerin aus Leidenschaft ist. Auch ihre Großtante Helen ist im Brauerei-Business als Besitzerin einer der großen Brauereien des Landes.
Der Weg zum Erfolg ist für beide Frauen nicht nur mit glücklichen Momenten gepflastert und das Leben hält so manchen Stolperstein bereit. Was das ist, verrate ich an dieser Stelle aber nicht.
Es geht um die Geschichte dreier Frauen und um das Glück nicht nur einen Beruf, sondern seine Berufung zu finden.
Wie hat mir „Die Bierkönigin von Minnesota“ gefallen?
„Die Bierkönigin von Minnesota“ ist eines dieser Bücher, die erst eine ganze Weile auf dem Stapel mit den ungelesenen Büchern reifen musste, bevor ich es tatsächlich gelesen habe. Ich hatte es im Rahmen der jährlichen Instagram Challenge #12für…, in diesem Fall #12für2026 ausgewählt und dann endlich gelesen.
Die Geschichte beginnt mitten im Leben von Edith, der für mich heimlichen Hauptfigur des Buches, denn sie ist es, die sowohl im Leben ihrer Enkelin Diana als auch ihrer Schwester Helen ein Dreh- und Angelpunkt ist. Edith ist einer dieser Menschen, die aus Situationen, egal wie schlecht sie sind, etwas Gutes herausziehen und sich dem Schicksal zwar nicht unterwerfen, es aber auf eine besondere Art annehmen und das Beste daraus machen.
So ist es auch, als ihr Mann dement wird und sich ihr Leben noch einmal komplett ändert. Sie ziehen um und sie nimmt einen neuen Job an, der sie zur Alleinverdienerin macht. Immerhin darf sie das machen, was sie am besten kann: sie backt in einer Bäckerei ihren berühmten, preisgekrönten Apple Pie, der schon bei ihrem früheren Arbeitgeber für Furore und klingelnde Kassen gesorgt hat.
Als ihre Tochter und deren Mann sterben, ist sie plötzlich für ihre Teenager-Enkelin Diana verantwortlich und muss auch im Rentenalter noch einem Vollzeit-Job nachgehen. Auch Diana arbeitet und stiehlt nebenbei, um ihre Großmutter zu unterstützen und bekommt nach einem ihrer Diebstähle die Chance, ihre Strafe in Franks Brauerei abzuarbeiten.
J. Ryan Stradal gibt mit diesem Erzählstrang einen guten Einblick in das tägliche Leben vieler Amerikaner und Amerikanerinnen, die ihr Leben mit zwei bis drei Jobs finanzieren müssen und doch immer ein Damoklesschwert durch eine Autoreparatur, eine kaputte Waschmaschine oder die Kosten einer unvorhergesehenen Krankheit ihnen schwebt. Er gibt einen Einblick in diese Gesellschaft und wie hart der American Way of Life ist und auch, dass es nur wenigen gelingt, den Amerikanischen Traum zu leben.
Auch Dianas Leben ist von Anfang an geprägt dadurch, auch wenn sie von ihren schulischen Leistungen und ihrer Intelligenz die besten Voraussetzungen mitbringt. Sie kann nicht einfach mit einem Studium beginnen und hat mit ihrem Brauereijob Glück, denn sie erlernt tatsächlich das Brauereihandwerk, als zweite Frau in der Familie, denn sie weiß nicht, dass die Schwester ihrer Großmutter dieselbe Leidenschaft für Bier hat. Edith und Helen sprechen seit Jahren nicht zusammen.
Helens Leben ist der zweite Erzählstrang im Buch und hier fand ich besonders die Beziehung der beiden Schwestern interessant und wieviel Einfluss eine kleine Entscheidung auf das Leben beider hatte. Wie waren sie als junge Frauen und wie sind sie im Alter, was war ihr Antrieb und wie empfanden, empfinden sie füreinander?
Ich möchte nicht mehr verraten, deshalb kann ich das nicht so genau beschreiben, aber es ist eine auf verschiedenen Ebenen gut durchdachte Familiengeschichte, die auch noch die ein oder andere Wendung nimmt, bevor sie zum Ende kommt.
Vor allem geht es darum, welch Glück und auch welche Last es sein kann, sein wahre berufliche Leidenschaft zu finden, denn dann will man nichts anderes machen. Helen und Diana nehmen einiges in Kauf, um ihr berufliches Glück umzusetzen. Bei Helen sind es natürlich noch ganz andere Zeiten für eine Frau, sich in diesem Business durchzusetzen, aber auch Diana hat Hindernisse zu überwinden. Wie ist es, genau für eine einzige Sache innerlich zu brennen, dass man bereit ist, alles dafür zu tun?
Ein Buch, dessen Erzählung mich eingenommen hat und wirklich gut unterhalten hat, zumal ich einiges über Bierbrauen und insbesondere der Herstellung von Craft-Bieren gelernt habe. Es ist eine Erzählung über Familie, Berufung, Begeisterung und auch über Zusammenhalt, ein richtig schönes Buch also.
Über den Autor:
J. Ryan Stradal wurde 1975 geboren und wuchs in Hastings, Minnesota, auf. Er studierte Film, Fernsehen und Radio an der Northwestern University. Er arbeitet als Lektor, Redakteur und Produzent von Fernsehserien. Seine Romane „Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ und „Die Bierkönigin von Minnesota“ waren „New York Times“-Bestseller. Er lebt in Los Angeles, Kalifornien.
Über die Übersetzerin:
Kathrin Bielfeldt ist Texterin und Übersetzerin und erholt sich von ihrer Arbeit in ihrem Garten.
Autor: J. Ryan Stradal
Übersetzerin: Kathrin Bielfeldt
Erscheinungsdatum: 23. August 2023
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-30059-8
PS: Dieses Buch ist selbst gekauft und ich kaufe Bücher am liebsten in kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen. Bei den meisten Buchhandlungen ist es auch möglich, online zu bestellen, sie sind also auf jeden Fall eine Alternative zu den großen Online-Shops. Online bestellen und in der Buchhandlung abholen oder direkt nach Hause liefern lassen, auch eBooks können direkt bei der Buchhandlung deiner Wahl online gekauft werden. Bei mir im Ort gibt es die Hohenlimburger Buchhandlung, dort kaufe ich viele meiner Bücher und sie hat einen Online-Shop. #SupportYourLocalBookshop
Wenn dir beim Lesen über den häufig erwähnten Apple Pie das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, auf dem Diogenes Blog gibt es tatsächlich das Rezept dazu: Grandma Edith’s Apple Pie.
„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner könnte auch etwas für dich sein, wenn dir „Die Bierkönigin von Minnesota“ zugesagt hat. Drei Frauengenerationen werden begleitet, jede dieser Frauen hat eine ganz eigene Herausforderung zu bewältigen und doch gehört ihre Geschichte zusammen. Ein Roman, den ich nicht aus der Hand legen konnte.

Dankeschön für den Tipp, mir ging es genauso, ohne das Buch zu kennen, nur der Titel hat mich neugierig gemacht.
Allerdings fand ich die Rezension etwas zu lang, für meinen Geschmack muss sie kurz und knackig sein .
LG
Anja
Hallo Anja,
ja, der Titel hat schon etwas!
Vielen Dank für deine Rückmeldung bezüglich der Rezensionslänge. Auf Social Media sind meine Leseeindrücke kürzer und hier auf meinem Blog nehme ich mir die Zeit, näher auf das Buch, den Inhalt, die Charaktere, die Sprache und auf meinen Leseeindruck einzugehen, denn die kurzen Leseeindrücke, die es auf Social Media oft gibt, sind mir einfach zu kurz. Da nutze ich die Möglichkeiten, die mir ein Blogbeitrag gibt, doch gerne, um näher auf ein Buch einzugehen. Ich schreibe Rezensionen so, wie ich sie selbst auch bei anderen gerne lese.
Liebe Grüße
Antje