Die Rebellion der Alfonsina Strada von Simona Baldelli

Buchcover Die Rebellion der Alfonsina Strada

Frauen im Sport – ja, die gibt es und es werden immer mehr, auch im Leistungssport. Aber auch heute noch wird ihnen noch nicht die gleiche Beachtung geschenkt wie den männlichen Sportlern. Das schlägt sich in der medialen Aufmerksamkeit, der Förderung und bei den Profi-Sportlerinnen bei der Bezahlung nieder. Umso schöner ist es dann, ein Buch über eine der Pionierinnen des Radsports zu finden, was Alfonsina Strada eindeutig war.

Wovon handelt das Buch?

Wie der Titel schon verrät, geht es in dem Roman von Simona Baldelli um das Leben der italienischen Radsportlerin Alfonsina Strada, die 1891 im Norden Italiens in Fossamarcia in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Radfahren und hatte nur einen Wunsch, nämlich Rad zu fahren und das auch noch so schnell es geht.

Heimlich übt sie nachts auf dem klapprigen Fahrrad ihres Vaters, studiert an den Sonntagen den Fahrstil der Radrennfahrer und meldet sich schließlich trotz Verbots selbst bei Radrennen an. Ihr erstes Rennen gewinnt sie gleich und bringt als Preis ein Schwein mit nach Hause. Auch wenn sie als Näherin arbeitet, fährt sie weiter Rennen und heiratet mit 24 Luigi Strada. Dieser steht voll und ganz hinter seiner Frau und schenkt ihr zur Hochzeit ein neues Fahrrad.

Aus Alfonsina Morini wird Alfonsina Strada und sie zieht mit Luigi nach Mailand, wo sie weiter trainiert und sich den Respekt anderer Radfahrer erarbeitet. Sie nimmt zweimal am Giro di Lombardia teil, was zu diesem Zeitpunkt noch für ein gemischtes Startfeld offen war. 1924 war dies bei Radrennen nicht erlaubt, trotzdem nimmt sie am Giro d’Italia teil.

Danach fährt sie noch Showrennen in Frankreich und Spanien und stellt weitere Rekorde auf. Der Roman wird in drei Ebenen erzählt, einmal erzählt sie die Zeit, in der Alfonsina jung ist und mit dem Radfahren beginnt und steuert auf dieser Ebene auf die Teilnahme am Giro d’Italia zu. Die andere Ebene spielt im Jahre 1959, als sie schon alt ist und in der dritten Ebene ist die erzählende Person in der Gegenwart, im Jahre 2017.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Das Buch hat mich sofort angesprochen, denn mir fehlen in der Bücherlandschaft, in der tagtäglichen Berichterstattung und auch im normalen Leben die bewundernden Berichte über die starken Frauen im Sport. Es geht hauptsächlich um die männlichen Sportler und das finde ich mehr als schade. Umso größer war die Freude, dieses Buch über eine der Wegbereiterinnen des Radsports für Frauen zu finden.

Es beschreibt, aus welch einfachen Verhältnissen Alfonsina Strada sich nach vorne gekämpft hat und an sich geglaubt hat. Es erzählt, wie offen die Zeit damals noch gewesen sein muss in Hinblick darauf, dass es gemischte Rennen gab, heutzutage undenkbar. Allein der Gedanke daran, dass den Frauen durch die offizielle Möglichkeit der Teilnahme an einem der großen Männerrennen auch die große mediale Aufmerksamkeit geschenkt werden könnte wie den männlichen Kollegen, hat einen großen Charme. So gucken sie auch heute noch in die Röhre und bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen würden, geschweige denn Preisgelder in gleicher Höhe.

Simona Baldelli beschreibt aber auch die Anfeindungen, die Alfonsina ertragen musste und wie schwer die Kriegs- und Nachkriegsjahre waren. Die Entwicklung vom Italien nach dem ersten Weltkrieg und der Aufstieg Mussolinis wird nicht ausgespart, sondern ist ein wichtiger Teil. Durch diesen Rechtsruck büßen gerade die Frauen wieder Freiheiten ein, die sie sich während dem ersten Weltkrieg erkämpft hat. Sie werden wieder an den Herd geschickt, so ist auch zu erklären, dass die großen Radrennen nur noch von Männer gefahren werden können. Auch verdeutlicht das Buch, unter welchen Entbehrungen die Menschen damals gelitten haben.

Der Roman zeigt, was dazu gehört, um eine solche Leistung zu vollbringen, diesen Willen, etwas gegen Widerstände durchzuziehen und die Schmähungen, die es heute im Internet und immer noch in den Zeitschriften gibt, gab es auch schon damals, Erfolg hat viele Neider und damals wie heute, wurde ein unglaublicher Druck auf erfolgreiche Menschen aufgebaut. Alfonsina musste lange und hart dafür arbeiten, dass sie in Radsportkreisen auch bei den männlichen Kollegen Respekt bekam, für sie hat sich dieser Weg am Ende gelohnt und sie konnte ihr Ziel erreichen.

Es ist eine starke Erzählung über bewundernswerte Sportlerin, die gegen die Konventionen ihrer Zeit ihren Weg findet und ihn auch geht. Das hat mir sehr gut an dem Buch gefallen und ich empfehle es allen, die sich für den Radsport und seine Pionierinnen interessieren.

Informationen zum Buch
Buchtitel: Die Rebellion der Alfonsina Strada
Autorin: Simona Baldelli
Übersetzerin: Karin Diemerling
Verlag: Eichborn Verlag
Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-8479-0070-2

Mein wurde mir im Rahmen einer Bloggeraktion der Bloggerjury vom Eichborn Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

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