Ambivalenz von Amélie Nothomb

Ambivalenz von Amélie Nothomb

Aktualisiert am 22. Juni 2022 von Antje Tomfohrde

Wut, Zorn, Rache, Enttäuschung und Besessenheit – wie sehr kann ein Mensch besessen von etwas oder gar jemandem oder einfach nur einem Gefühl oder einer Idee sein? Und wer könnte besser darüber schreiben als Amélie Nothomb?

Wovon handelt „Ambivalenz“?

Als Dominique Claude kennenlernt, legt er sich ordentlich ins Zeug und umgarnt sie nicht nur, sondern fährt auch das ganz große Besteck mit Champagner und teuren Geschenken wie einem Flakon Chanel N° 5 auf. Es geht nach Paris, Hochzeit, Claude macht Karriere und als Höhepunkt kommt dann die Geburt der ersehnten Tochter.

Mittlerweile ist Claude das Gegenteil des unterhaltsamen Charmeurs geworden. Er ist kalt und mehr als abweisend seiner Tochter gegenüber. Diese lässt sich aber nicht unterkriegen und weiß, was zu tun ist, als ihre Mutter so langsam dahinter kommt, was mit ihrem Gatten nicht stimmt.

Wenn Épicène hätte beschreiben müssen, wie sich ihr Vater ihrer Mutter gegenüber verhielt, hätte sie gesagt, dass er sie ertrug – unter der Voraussetzung, dass sie wenig sprach und so wenig wie möglich existierte.Ambivalenz, Amélie Nothomb

Wie hat mir das Buch gefallen?

Das Buch beginnt mit einer Geschichte, die auf den ersten Blick nichts mit dem Rest des Buches zu tun hat. Als Leser*in wird man erst einmal in einen anderen Erzählstrang geschickt und nimmt am Leben Dominiques teil. Man leidet mit ihr und spürt die tiefe Liebe zu ihrer Tochter Épicène, dem Kind mit dem seltenen Namen und das von seinem Vater geradezu abgestoßen wird.

Das Leben der merkwürdig stillen Familie plätschert so vor sich hin, bis sich plötzlich etwas ändert und die Tochter auf eine andere Schule geht – gegen ihren Willen. So langsam fügt sich ein Puzzleteil zum anderen und als man denkt, es ist vorbei, fängt es erst richtig an. Eine typische Wendung à la Nothomb, irgendwie berechenbar, weil man weiß, dass es noch nicht vorbei ist, wenn man denkt, dass es vorbei ist und gleichzeitig überraschend und auch böse.

Amélie Nothomb gelingt es mal wieder, eine besondere Geschichte zu erzählen und schafft es, ihre Figuren derart auszuschmücken, dass man ihnen zwar nahe kommt, aber nicht an ihren tiefsten Kern gelangt. Es gibt immer noch eine Distanz, auch wenn man ihre Gedanken liest. Ein Mangel an Grautönen sorgt dafür, dass man ihnen nicht ganz an sie herankommt oder gar ganz tiefe Gefühle für die Personen entwickelt. Die Autorin erzählt das, was für den Fortgang wichtig ist, aber nicht mehr. Es gibt keine unnötigen Ausschmückungen.

Und gleichzeitig fesselt die Geschichte und lässt eine*n nicht aufhören zu lesen. Es sind meist recht kurze Sätze, Handlungen, die selbst ausgemalt werden müssen, um ein wenig mehr Farbe zu bekommen. Ambivalenz liest sich schnell weg und ist ein gelungenes und unterhaltsames Buch, empfehlenswert!

Informationen zum Buch
Buchtitel: Ambivalenz
Autorin: Amélie Nothomb
Übersetzerin: Brigitte Große
Verlag: Diogenes Verlag
Erschienen: 22. Juni 2022
ISBN: 978-3-257-07194-8

Mein eBook ist ein kostenloses Rezensionsexemplar, welches mir vom Diogenes Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt wurde. Herzlichen Dank hierfür!

Ob mir ein Buch kostenlos als Leseexemplar zur Verfügung gestellt wurde, ich es geliehen, geschenkt bekomme oder selbst gekauft habe – all dies hat keinen Einfluss auf meine Rezension. Meine Rezensionen geben allein meine Meinung wieder, die ich mir während des Lesens gebildet habe.

Wenn dir „Ambivalenz“ von Amélie Nothomb gefallen hat, könnte „Drei“ von Dror Mishani etwas für dich sein.

1 Kommentare

  1. Hallo =) Ich mag die Bücher von Amélie Nothomb sehr und das steht deshalb gerade ganz oben auf meiner Liste. Umso schöner, dass es dir auch so sehr gefallen hat.

    Zeilentänzerin

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