Klimagefühle Wie wir an der Umweltkrise wachsen, statt zu verzweifeln

Klimagefühle von Lea Dohm und Mareike Schulze

Aktualisiert am 2. August 2022 von Antje Tomfohrde

von Lea Dohm und Mareike Schulze

Wie schafft man es, im Kampf gegen die Klimakrise nicht die Angst die Oberhand gewinnen zu lassen?

Klimagefühle – Das ist eine gute Beschreibung für all das, was in vielen von uns hochkommt, wenn wir an die Klimakrise und die daraus resultierenden Sorgen über die Zukunft derer, die nach uns kommen und auch unsere eigene denken. Wie können wir damit umgehen und uns so schützen, dass wir nicht daran verzweifeln? Lea Dohm und Mareike Schulze gehen in ihrem Buch „Wie wir an der Klimakrise wachsen, statt zu verzweifeln“ darauf ein und zeigen auf, wie die unguten Gefühle genutzt werden können, um etwas Gutes zu tun.

Worum geht es in dem Buch?

Wie bei jeder Krise entstehen auch oder gerade beim Gedanken an die Klimakrise Gefühle wie Angst, Trauer, Wut und Schuld. Dies kann uns Menschen in tiefe Verzweiflung stürzen, uns zu Leugnern der Gefahr werden lassen oder ins Positive umgemünzt werden, um Energie für den Kampf gegen eine Erderwärmung über das 1,5-Grad-Ziel hinaus zu gewinnen.

Die beiden Autorinnen, Lea Dohm und Mareike Schulze, sind Psychologinnen und Gründerinnen der „Psychologists for Future und wissen also sowohl aus beruflicher aber auch persönlicher Erfahrung, mit welchen Gefühlen wir konfrontiert werden, wenn es um die Klimakrise geht. Schuldgefühle, weil man zu wenig tut, Angst, die lähmen kann, überhaupt etwas zu tun oder das Gefühl auszubrennen, weil sich nichts in der Politik ändert trotz all der Anstrengungen, darauf einzuwirken. Angst, weil alles so ungewiss ist und Wut, unbändige Wut, weil gefühlt nichts passiert.

Was wir erlebt haben, hören wir auch von vielen anderen klimaengagierten Menschen in ähnlicher Weise: Es ist unglaublich bestärkend, mitunter gar beflügelnd, aus der eigenen Sorge heraus ins Handeln zu kommen.Klimagefühle von Lea Dohm und Mareike Schulze

Zunächst einmal jede Autorin ihren persönlichen Weg, um sich aktiv in der Klimabewegung zu engagieren und mit welchen Zweifeln und Ängsten auch sie als Profis immer wieder konfrontiert werden.

Dann gibt es eine allgemeine Einführung zum Thema Klimagefühle, bevor dann in einzelnen Kapiteln detaillierter die Gefühle Angst, Ärger und Wut, Traurigkeit, Behandlungsbedürftige Gefühle, Schuld und Scham, Neid, Freude und Verbundenheit, Hoffnung und Mut beschrieben und Ratschläge zum Umgang damit gegeben werden.

Es gibt ein eigenes Kapitel Kindern und die Klimakrise, Exkurse zu verschiedenen Punkten wie Achtsamkeit und Parentifizierung und wie man denn ins Handeln kommen kann, ohne dabei auszubrennen.

Kipppunkte, die uns schon einmal beim Thema Klimaangst begegnet sind als irreversible Kipppunkte des Erdsystems, vergleichbar mit überkochender Milch, können auch im sozialen Umfeld wirken. Diese Feststellung, dass ein irreversibles Umkippen – der ultimative Erkenntnisgewinn samt Handlungsimperativ – auch individuell und sozial möglich ist und wirkt, ist für uns ermutigend und stiftet Hoffnung.Klimagefühle von Lea Dohm und Mareike Schulze

Die beiden Psychologists for Future haben viele in der Klimabewegung engagierte Menschen befragt und bringen an den passenden Stellen im Buch kurze Passagen mit Texten dieser Menschen. So gibt es Texte und Zitate von Prof. Dr. Claudia Kemfert, Özden Terli, Carola Rackete, Prof. Dr. Stefan Rahmstorf und vielen weiteren, die von ihren eigenen Gefühlen und Erfahrungen sprechen.

Meine Meinung zu „Klimagefühle“

Auf das Buch von Lea Dohm und Mareike Schulze habe ich gespannt gewartet, seitdem ich das erste Mal davon gehört habe. Klimagefühle sind etwas, was ich auch habe. Dieses Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl hilflos politischen Entscheidungsträgern ausgeliefert zu sein oder in Diskussionen Parallelwelten zur eigenen zu entdecken, weil man sich zur Klimakrise anders äußert als erwartet und trotzdem nicht den Mut zu verlieren. Deshalb ist so ein Buch wichtig für alle, die sich näher mit dem Thema Klimakrise und was man als einzelne Person tun kann, damit wir die CO2-Emissionen so begrenzen können, dass wir das 1,5-Grad-Ziel der Erderwärmung bis 2050 noch halten können.

Gefühle jeglicher Couleur kommen beim Thema Klima bei jede*r von uns auf. In Diskussionen, beim Lesen der Tageszeitung, wenn man in den Sozialen Medien unterwegs ist und häufig bei Gesprächen im Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis. Und es sind nicht immer nur gute Gefühle, die da aufkommen. Oftmals ist es das Gefühl, diejenige zu sein, die nicht richtig tickt, denn „es ist ja alles gar nicht so schlimm, das wird nur hochgespielt, früher hatten wir auch schon Sommer“.

Such dir Menschen und Gruppen, die dich in Klimasachen verstehen und auffangen! Dies ist auch dahin gehend nützlich, dass andere Beziehungen dann besser aufrechterhalten werden können, weil du Klimathemen an anderer Stelle besprechen und dort mit anderen Menschen teilen kannst. Klimagefühle von Lea Dohm und Mareike Schulze

Was macht man in einem solchen Fall mit seinen Gefühlen? Einfach ignorieren, weitermachen oder gar darüber reden? Letzteres ist eindeutig die beste Lösung, aber nicht unbedingt mit denjenigen, die eine*n sowieso für das grüne Ökoschaf der Familie halten. Ungute Gefühle gehören zum Leben dazu und das ist angesichts der Bedrohung der Klimakrise kein Wunder. Also reden, reden, reden und sich einer Gemeinschaft anschließen, die sich dem Thema auch annimmt und mit diesen Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen reden. Das wirkt meist schon, denn auch hier gilt zusammen ist man weniger allein und es gibt oft den Impuls weiter zu machen.

Das Buch beschränkt sich jetzt aber natürlich nicht auf diesen Ratschlag, sondern vermittelt viel Wissen über die Gefühle, die im Zusammenhang mit der Klimakrise auftauchen können. Es ist ja nichts komplett Greifbares, sondern eine Entwicklung, die im besten Falle so ausgeht, dass wir die Erderwärmung noch eindämmen können. Aber was, wenn nicht und was, wenn wir frustriert sind, weil sich nichts bewegt und schon über Kleinigkeiten wie ein Tempolimit kein Konsens zustande kommt, weil persönliche Eitelkeiten wichtiger sind. Da zweifelt man doch zwischendurch an allem.

Und hier zeigen die Autorinnen, wie wichtig es ist, sich diesen Gefühlen zu stellen, darüber zu reden und erklären auch das Konzept der radikalen Akzeptanz. Sie beschreiben ihre eigenen Gefühle und ihre eigenen Ängste als Mütter noch relativ kleiner Kinder. Kinder und die Klimakrise werden in einem eigenen Kapitel noch einmal genau beleuchtet. Sie sind diejenigen, die die Klimakrise und die Folgen unseres Handelns bzw. Nichthandelns mit voller Wucht abbekommen werden. Für uns Eltern ein hilfreiches Kapitel.

Auch die sogenannte Parentifizierung wird hier erklärt, d.h. Kinder übernehmen Funktionen und Aufgaben, die von den Eltern erledigt werden müssten, wie z. B. die Fridays for Future – Bewegung. Hier übernimmt die Jugend die Aufgabe, die wir Erwachsenen übernehmen müssten, nämlich auf die Politik einzuwirken, damit Maßnahmen ergriffen werden, die die Zukunft unserer Kinder sichert.

Dabei ist die Klimakrise insbesondere auch eine Krise der Kinderrechte. Kinder können nicht wählen, sondern sind abhängig von den Entscheidungen der Verantwortlichen, die wiederum von Erwachsenen gewählt wurden.Klimagefühle von Lea Dohm und Mareike Schulze

„Klimagefühle“ ist ein Ratgeber, aber auch gleichzeitig ein Erfahrungsbericht und ein Mut-mach-Buch und es versammelt nicht nur die Erfahrungen der beiden Autorinnen, sondern auch die vieler Menschen, die sich stark in der Klimabewegung engagieren. Wie gehen diese Menschen mit diesen Klimagefühlen um, mit dem Frust, der Wut, der Verzweiflung, was macht sie so stark, dass sie immer weitermachen? Bei vielen ist es die Hoffnung und vor allem die Gemeinschaft, das Gefühl, nicht allein zu sein. Gemeinschaft ist etwas, das unserer Spezies schon immer geholfen hat, so hoffentlich auch dieses Mal.

Dadurch, dass die Gefühle erklärt werden, bekommt man auch ein anderes Verständnis dafür, warum man reagiert, wie man reagiert und warum es auch Abwehrhaltung und Leugnung der Klimakrise gibt. Dies ist wichtig, um bestimmte Verhaltensweisen einer ablehnenden Umwelt zu verstehen und warum manche Menschen noch nicht so weit sind.

Im Buch werden viele Facetten der Klimagefühle angesprochen, aber es gibt auch Hoffnung, dass wir diese nutzen können, um etwas Gutes daraus entstehen zu lassen. Die Autorinnen sind selbst das beste Beispiel dafür.

Gut hat mir gefallen, dass es so geschrieben ist, dass man als Leser*in das Gefühl bekommt, dass die Autorinnen im Gespräch mit uns sind. Es gibt eine freundliche, persönliche Grundstimmung und die persönlichen Erfahrungsberichte von z. B. Prof. Dr. Claudia Kemfert, Kay, einem jungen FFF-Aktivisten und Özden Terli runden dies ab. Es liefert Gedankenanstöße und erinnert daran, achtsam mit sich selbst und seinen Kräften umzugehen und wie wichtig eine Gemeinschaft ist. Ein positives Buch, das ich gerne empfehle.

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Informationen zum Buch
Buchtitel: Klimagefühle Wie wir an der Umweltkrise wachsen, statt zu verzweifeln
Autorin: Lea Dohm / Mareike Schulze
Verlag: Knaur Verlag
Erschienen: 01.08.2022
ISBN: 978-3-426-28615-9

PS: Mein Buch ist ein kostenloses Rezensionsexemplar, welches mir netterweise vom Knaur Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Vielen Dank hierfür!

Ob mir ein Buch kostenlos als Leseexemplar zur Verfügung gestellt wurde, ich es geliehen, geschenkt bekomme oder selbst gekauft habe – all dies hat keinen Einfluss auf meine Rezension. Meine Rezensionen geben allein meine Meinung wieder, die ich mir während des Lesens gebildet habe.

Auf meinem Blog findest du noch einige Bücher zum Thema Klimakrise und Nachhaltigkeit. Schau dich gerne einmal um und gib „Klimabuch“ in die Suche ein. Einen guten und sehr fundierten Überblick über das, was passiert, wenn wir nichts, wenig oder ganz viel gegen den Klimawandel tun, gibt das Buch „Deutschland 2050“ von Nick Reimer und Toralf Staud.

2 Kommentare

  1. Hallo Antje, ein sehr interessantes Buch, dass ein wichtiges Thema scheinbar auf sehr positive und hoffnungsvolle Weise transportiert.

    Liebe Grüße,
    Zeilentänzerin

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