Richtig gutes Essen von Junko Takase

Auf dem Foto ist auf der linken Seite das Buch Richtig gutes Essen von Junko Takase auf einem Buchentisch liegend zu sehen und daneben ist eine dunkelgraue Schale mit Instantnudeln und Stäbchen zu sehen. Es ist das Headerbild zur Rezension des Buches.

Aktualisiert am 15. Februar 2026 von Antje Tomfohrde

übersetzt von Yoko Ann Hamann

„Richtig gutes Essen“ hat mich allein vom Titel und vom Cover schon angesprochen und ich wollte es unbedingt lesen. Japanische Literatur stand bislang auch selten auf meiner Lesewunschliste, also waren die Startbedingungen denkbar gut für dieses Buch.

Worum geht es in dem Buch?

Nitani arbeitet in einem japanischen Büro und wünscht sich, dass ums Essen nicht so viel Wind gemacht wird. Ihm würde es reichen, sich durchgängig von Instantnudeln zu ernähren oder noch besser wäre es, wenn er eine Tablette einnehmen könnte, die ihn mit allem versorgt, was er so braucht.

„Ich wünschte, ich könnte dreimal am Tag Instantnudeln essen und trotzdem alle Voraussetzungen für ein gesundes Leben erfüllen. Oder dass es eine Tablette gäbe, die man einmal am Tag einnimmt, die alles Nährstoffe und Kalorien enthält, die man braucht. Man bräuchte nur die Tablette, um gesund zu bleiben, beim Essen ginge es dann nur noch um Genuss.“

Aus „Richtig gutes Essen“ von Junko Takase

Im Büro herrschen feste Regeln und auch für den Rest seines Lebens vermutet Nitani, dass es Regeln einzuhalten gilt, zum Beispiel ein nette, folgsame Frau zu heiraten und in einem Job wie dem seinen bis an sein Lebensende zu arbeiten.

„Nitani fragte sich, wann er heiraten würde. Nicht weil er heiraten wollte, sondern weil er noch nie gedacht hatte, dass er nicht heiraten wollte. Zwar gibt es Leute auf der Welt, die sich entscheiden, niemals zu heiraten, aber das ist eine Entscheidung für diejenigen mit ausreichend starkem Willen, für Leute wie mich, die keine bestimmten Wünsche haben, ergibt es dagegen keinen Sinn, nicht irgendwann zu heiraten.“

Aus „Richtig gutes Essen“ von Junko Takase

Er trifft sich mit Ashikawa, einer Kollegin, die wenig Ehrgeiz besitzt, aber die ideale Ehefrau wäre. Mit seiner Kollegin Oshio trifft er sich nach der Arbeit zum Trinken und lässt sich von ihr zu einem perfiden Plan anstiften.

Die Tage spielen sich hauptsächlich im Büro ab und drehen sich meist ums Essen und um die viele Arbeit, die zu erledigen ist. Wir erfahren viel über die japanische Arbeitskultur und der Bedeutung von Essen, dem Nitani mal so gar nichts abgewinnen kann.

Wie hat mir „Richtig gutes Essen“ gefallen?

Von der Länge her ist „Richtig gutes Essen“ mit fast 160 Seiten ein richtiges Snackbuch – genau richtig also, um von jemandem zu erzählen, der als Lieblingsgericht Instantnudeln hat, die circa drei Minuten Zubereitungszeit brauchen.

Und mehr Zeit möchte Nitani, der Protagonist des Romans auch nicht aufs Essen und seine Zubereitung verschwenden. Essen ist ihm völlig egal bzw. das, was ihn wirklich satt macht, sind Instantnudeln.

Für die anderen Menschen in seiner Bürogemeinschaft hat Essen eine ganz andere Bedeutung, es ist wichtig, gemeinsam zu speisen und nach Möglichkeit frisch zu kochen. Ganz extrem ausgeprägt ist das bei seiner Kollegin Ashikawa, die immer wieder selbst gebackene Backwaren mit ins Büro bringt, um die anderen zu überraschen. Das Backen ist das, wo Ashikawa wirklich ehrgeizig ist, ganz im Gegensatz zu ihrer Arbeit, wo sie tatsächlich pünktlich geht, was als Unding gilt, denn alle anderen machen selbstverständlich Überstunden.

Nitani ist nicht himmelhochjauchzend in Ashikawa verliebt, die tiefer gehenden Gespräche scheint er mit seiner Kollegin Oshio zu führen, allerdings läuft da nichts. Oshio ist jemand, der den Finger in die Wunde legt und Nitani dazu bringt, über seine Liebe zur Literatur. So erfahren wir, dass er eigentlich etwas mit Literatur machen wollte, aber stattdessen Wirtschaft studiert hat, da Männer im Literaturbereich keinen Job bekommen würden. Dieser falschen Entscheidung hängt er immer noch nach.

„Als ich als Teenager meinen Studiengang gewählt hab, hab ich nicht das genommen, was ich liebe, sondern das, was mein Leben leichter macht, dachte er immer wieder, auch wenn das übertrieben war. Er konnte sich einfach nicht damit abfinden, dass es reichte, etwas zu mögen.“

Aus „Richtig gutes Essen“ von Junko Takase

Nitani ist mir so gar nicht sympathisch, er ist nur so höflich, wie es sein muss und er erweckt den Anschein, nur so nett zu sein, wie es die Höflichkeit verlangt. Andere scheinen ihm recht egal. Er hält sich an die Regeln, verachtet diejenigen, die weniger leisten als er und scheint kein wirklich tiefes Interesse an anderen zu haben.

Auch Oshio ist wenig sympathisch, wobei ich bei ihr schon mehr Tiefgang spürte, allerdings ist sie auch wirklich gemein. Und Ashikawa hat die Rolle des netten Schafs bekommen, das alle irgendwie ganz niedlich finden trotz ihrer nicht sehr großen Leistungsfähigkeit. Ihre Stärken liegen definitiv mehr im Zwischenmenschlichen, nur scheint das nicht wichtig zu sein und sie wird permanent klein gehalten, sowohl im Büro als auch zuhause, ein erwachsenes Kind.

Diese ungeschriebenen Regeln der Bürogemeinschaft haben mich fasziniert, noch dazu wurde der Roman in einer eher kühlen, distanziert wirkenden Sprache geschrieben. Es ist eher eine Beschreibung als eine Beschreibung des Inneren. Das verstärkt den Eindruck noch.

Gut gefällt mir, wie sehr die ausführlichen Beschreibungen des Essens, besonders der Backwaren, einen Gegenpol zu Nitanis Abneigung gegenüber Essen bilden. Es ist förmlich spürbar, wie sehr ihn das Essen und der Vorgang des Essens anekelt, diese Lust, die seine Mitmenschen beim Essen und der Zubereitung verspüren.

„Ich mag es nicht, das eigene Leben um gutes Essen herum zu organisieren.“

Aus „Richtig gutes Essen“ von Junko Takase

Nitani möchte gut dastehen und macht vieles genau aus diesem Grund. Und auch wenn ich Ashikawa auch nicht gerne als Freundin hätte, zeigt sie mehr Einsatz für ihr eigenes Leben und das, was ihr wichtig ist. Arbeit ist für sie ein Mittel, um das Leben zu finanzieren (und vielleicht einen Ehemann zu finden), aber Erfüllung findet sie in ihrem Hobby und weil sie ist, wie sie ist, kommt sie einfach um die üblichen Überstunden herum. Es ist ihr egal, dass sie dadurch als weniger leistungsbereit gilt.

Diese Boshaftigkeit und Verachtung, mit der Nitani den Menschen, die gerne essen, gegenübersteht, ist faszinierend, teilweise lustig, weil er so unglaublich extrem in seinen Ansichten ist. Da in dem Buch nicht auf die tieferen Gründe für diese Abneigung eingegangen wird, gibt es genug Raum für Spekulationen, warum er so geworden ist, wie er ist.

„Warum esst ihr alle? Immer wollt ihr leckere Sachen essen. Mehr davon, egal was, wie anstrengend.“

Aus „Richtig gutes Essen“ von Junko Takase

Diese Besessenheit und gleichzeitige Angepasstheit und Ambitionslosigkeit, etwas an seiner Unzufriedenheit machen Nitani für mich unglaublich unsympathisch und gleichzeitig total interessant. Oshio ist der perfekte Side-Kick, ist sie zwar schon gemein, aber wesentlich reifer als er und Ashikawa sein komplettes Gegenteil, aber nicht so wie er sich das vorstellt, denn sie macht etwas, um sich wohl zu fühlen. Beim Lesen habe ich allerdings wirklich gerätselt, was sie an einem Typen wie Nitani findet. Er ist so wenig selbst reflektierend und einfach auf sich selbst bezogen und gleichzeitig darauf bedacht, den ungeschriebenen Regeln zu folgen.

„Richtig gutes Essen“ ist ein unterhaltsamer Lesesnack und ideal, wenn du eher kurze Bücher liest. Mir hat diese Zusammenstellung der Charaktere und die Gegensätzlichkeit dieser Menschen in Kombination mit einer reduzierten Erzählweise fasziniert. Auch habe ich so einiges über die japanische Arbeitskultur gelernt und für das Foto das allererste Mal asiatische Instant-Nudeln zubereitet (was jetzt für die Rezension nicht wichtig ist, aber ich dachte, ich erzähle das mal).

Über die Autorin:

Junko Takase wurde 1988 in Niihame geboren und studierte Philosophie an der Ritsumeikan-Universität. Bislang hat sie sechs Bücher geschrieben und „Richtig gutes Essen“ wurde in Japan mit dem Akutagawa-Preis ausgezeichnet. Sie lebt in Tokio.

Über die Übersetzerin:

Yoko Ann Hamann wurde 1993 geboren und studierte Japanologie mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie an der Sophia University und der University of Tokyo. Sie lebt in Berlin.

Informationen zum Buch
Buchtitel: Richtig gutes Essen
Autorin: Junko Takase
Übersetzerin: Yoko Ann Hamann
Erscheinungsdatum: 10. Februar 2026
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
ISBN: 978-3-7558-0085-9

PS: Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom DuMont Buchverlag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

Ob mir ein Buch kostenlos als Leseexemplar zur Verfügung gestellt wurde, ich es geliehen, geschenkt bekommen oder selbst gekauft habe – all dies hat keinen Einfluss auf meine Rezension. Meine Rezensionen geben allein meine Meinung wieder, die ich mir während des Lesens gebildet habe.

Wenn du nach „Richtig gutes Essen“ Lust auf ein Buch hast, in dem gerne gegessen wird, kann ich dir „Wohnverwandtschaften“ von Isabel Bogdan empfehlen. Es geht dort zwar nicht hauptsächlich ums Essen, aber die Menschen in dem Buch empfinden sehr viel Freude beim Essen, es ist ein guter Ausgleich.

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